Symphonie für zwei elektrische Zahnbürsten und großes Orchester
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Die Symphonie für zwei elektrische Zahnbürsten und großes Orchester - komponiert vom amerikanischen Komponisten John Cage - gilt als eines der bedeutendsten Werke der modernen Klassik und wurde 1987 in der Carnegie Hall/New York uraufgeführt.
[Bearbeiten] Aufbau
Cage verzichtete in seiner Symphonie auf eine Grundtonart und bestimmte die zu spielenden Töne während des Kompositionsvorgangs mithilfe eines Würfelbechers. Die dadurch verursachte aleatorische Atonalität schafft eine leich morbide Atmosphäre, die durch das von Obertondrehungen geprägte Surren der elektrischen Zahnbürsten noch verstärkt wird. Formal folgt die Symphonie dem klassischen Aufbau dieser musikalischen Gattung:
- Der erste Satz Allegro, mit viel Bewegung (with intense motion) greift gleich in die Vollen und fordert den beiden Zahnbürstensolisten alles ab. Angefeuert von einer Tuba und zwei näselnden Kontrafagotten setzt Cage die Atonalität linear ein und bedient sich vieler ungewohnter Klangkombinationen und einer sehr komplexen, keinen Gesetzen folgenden Polyphonie.
- Im zweiten Satz Adagio, mit wenig Strom (with reduced electricity) verharrt das Orchester auf nur einem Ton, dem Fis, das in allen Lagen ertönt. Die Zahnbürsten spielen wehmütige, leicht verwehte Obertondrehungen auf eben diesem Fis, die von den Celli aufgegriffen und imitiert werden. Vereinzelte Akzente des Glockenspiels und gelegentliche Harfensforzati setzen diesem Satz einige Glanzlicher auf und so macher Musikkritiker attestiert dieser brüchigen, verletzlichen Musik eine authentische Anrührigkeit auf hohem Niveau.
- Im dritten Satz Scherzo, Tanz der Bürsten (Dance of the brushes) hüpfen die beiden Zahnbürstenspieler wie entfesselt auf dem Podium herum und spielen sich gegenseitig die fragmentierten Motive zu. Das Blech untermalt den Tanz mit prägnanten Clusterakkorden im Fortissimo, während das Holz in irrwitzigem Tempo in der hohen Lage minimalistische Tonfolgen absondert.
- Im finalen Satz Presto, Presto, jetzt gehts dem Zahnstein an den Kragen (fighting the dental calculus) bürsten sich die beiden Solisten gegenseitig die Zähne und schalten ihre Instrumente immer wieder kurzfristig ab und stecken diese in die bereitgestellten Ladegeräte, was durch die korrespondierenden Generalpausen im Orchester noch hervorgehoben wird. Die dadurch entstehende totale Stille gibt dem Zuhörer einen Vorgeschmack auf das Nichts und kann als Vorahnung des Komponisten auf seinen eigenen Tod gedeutet werden. In den letzten 23 Takten des finalen Satzes spielen alle 126 Musiker des großen Orchesters so laut und so schnell sie können und würfeln in kurzen Generalpausen vor jedem Takt mit zwei Würfeln die Noten, die sie im nächsten Takt spielen werden.
[Bearbeiten] Musikgeschichtliche Bedeutung
Wie kein anderes Werk lotet die Symphonie für zwei elektrische Zahnbürsten und großes Orchester neue Wege aus, den symphonischen Klangkörper zu entstauben und in die Moderne zu überführen. Die Verwendung der elektrischen Zahnbürsten als Soloinstrument verdeutlicht, das jeder noch so triviale Alltagsgegenstand ein Kunstpotential hat. John Cage folgt dabei ganz der von Joseph Beuys geprägten Prämisse Alles ist Kunst und führt diesen erweiterten Kunstbegriff konsequent zu Ende.
[Bearbeiten] Trivia
Bei der Uraufführung der Symphonie durch die New Yorker Philharmoniker (Solisten: Jeff Colgate und Angelina Elmex) unter der Leitung von Kent Nagano im Jahre 1987 kam es nach der Auffführung zu Tumulten im Konzertsaal, ausgelöst durch Handgreiflichkeiten zwischen Cage-Anhängern und verstörten Bildungsbürgern, die sich irrtümlicherweise in das Konzert verlaufen und eigentlich eine Brahms-Symphonie erwartet hatten.
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